Textreihe (28): Angelika Stallhofer

Würden wir alle Gedichte, am besten „Gedichte gegen die Angst“, lesen, wäre das „Weltengleichgewicht“ längst nicht mehr in Gefahr. So sieht es jedenfalls die Schriftstellerin Anna Liebmann, Protagonistin in dem verspielten Debütroman Adrian oder: Die unzählbaren Dinge der Österreicherin Angelika Stallhofer, erschienen im Herbst 2018 in der debütversierten Literaturreihe des Verlags Kremayr & Scheriau. Befragt nach ihrer Poetik antwortet die Autorin nicht minder poetisch:

Schreiben ist ein stiller Rausch.
Aus Atem, Fluss und Raum.
Eine Ermächtigung.
Ein Mund, der offen steht, ein Staunen.

Angelika Stallhofer ist Märzgast unserer blühenden Textreihe „Indie-AutorInnen schreiben“ und bringt nun ihre eigenen Gedichte in Stellung, und zwar nicht nur hier, sondern auch in der bisher einzigartigen und umfangreichsten Lyrikanthologie mit Fokus auf junge österreichische Dichterinnen und Dichter, betitelt mit wo warn wir? ach ja: Junge österreichische Gegenwartslyrik. Im ganzen Land, kreuz und quer, geben darin Stimmen laut und nimmt sich die Lyrik ihren Raum. Jetzt ist es an uns, sie wahrzunehmen. Die obige Idee mit den Gedichten und der Rettung der Welt dürfte im Sinne aller Beteiligten des Bandes sein./sw

 

Menschvakuum

Oder im Reigen der Zeiger
gegen den toten Tanz
immer gegen den Beton
und sein Erbauen
zuwider dem Menschvakuum
den Kämmen der Härte
den Blasen aus Stolz
wider den Geiz die Bezifferung
die stille Vorführung der Gladiolen
(aus: wo warn wir? ach ja: Junge österreichische Gegenwartslyrik)

*

Pläne

I Mit Novalis die Welt retten

II Mit einem blauen Auge davonkommen

*

Der Tag geht

Der Fisch friert
der Kopf schwebt
die Sonnen dunkeln
die Zimmer wachen
die Katzen bellen

der Gott glaubt
das Kind fällt

der Tanz hält
der Tag geht

  

  • Angelika Stallhofer wurde 1983 in Villach geboren, lebt in Wien. Studium der Publizistik in Wien und Hamburg und Absolventin des Instituts für Narrative Kunst Niederösterreich. Schreibt Lyrik und Prosa, erhielt mehrere Preise und Stipendien. Ihr Romandebüt Adrian oder: Die unzählbaren Dinge (Kremayr & Scheriau Verlag, 2018) wurde mit der Österreichischen Buchprämie ausgezeichnet. Zuletzt Veröffentlichungen in wo warn wir? ach ja: Junge österreichische Gegenwartslyrik (hg. von Robert Prosser und Christoph Szalay, Limbus Verlag 2019)

(Foto der Autorin © Alain Barbero)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s