Erwin Uhrmann: Toko (Limbus Verlag)

Ein Literaturwissenschaftler und Experte für Weltuntergangsszenarien bricht auf in ein neues Leben – vorher begegnet er noch einer Saurierpark-Besitzerin in Nöten.

Bis jetzt lebte Erich in Wien, „im Land des Weltuntergehens, der herbeigesehnten Apokalypse. Es konnte ihm Albträume bereiten, sich das einzugestehen, so sehr wünschte er, eigentlich ein Optimist zu sein“. Der Held dieses intelligent-schrägen Romans über einen ziemlich speziel­len Mann ohne Eigenschaften, von dem plötzlich Entschlusskraft und Mut gefordert werden, dieser Held blickt jedenfalls alles andere als zuversichtlich in die Welt. Sein Leben ist geprägt von einer grundsoliden pessimistischen Haltung. Da gerät etwa die zufällige Be­­gegnung mit einer Ex-Freundin zum Desaster (und das mit Grund, wie wir im Laufe der Geschichte erfahren) und im Landhaus der Freunde, in dem er einsam den Jahreswechsel ver­bringen, bevor er in eine neue Existenz nach England aufbrechen will, friert die Heizung ein. Dass ihm solcherart Unbill passiert, ihm, der den praktischen Dingen des Lebens ziemlich fremd gegenübersteht, scheint durchaus folgerichtig zu sein. Er ist jedenfalls seiner Heimat und seiner Lands­leute ebenso überdrüssig wie seiner erfolgreichen Freunde. Ein paar Tage muss er noch ausharren, dann erwartet ihn ein vermeintlich spannendes Forschungs­projekt an der Universität von Bath. Auch wenn er nicht – wie eine begabtere Kollegin – aus­wendig Horaz zitieren kann und das Jobangebot möglicherweise auf einer Fehleinschätzung seiner Fähigkeiten beruht: ein besseres Leben lockt.

Von dieser Zwischenzeit erzählt der österreichische Autor, Lyriker und Herausgeber Erwin Uhrmann in seinem dritten Roman Toko, jetzt erschienen im Limbus Verlag: Nicht mehr da und noch nicht weg. Nichts ist mehr, wie es war oder sein sollte. Und wie es sein wird, weiß der Protagonist nicht. Aber dann steht vor dem eiskalten Haus eine junge Frau, die ihren Hund sucht. Mit ihr wird er im Laufes der Geschichte zwar nicht die erwart­ba­re Affäre haben, dafür aber eine mörderische Aufgabe lösen. Er kann zwar keinen Hand­­wer­ker anrufen, wenn Heizungsrohre platzen, und seine Freunde informiert er auch nicht über den Schadensfall, der Frau aber, die einen von der Insolvenz bedrohten Park voller nachgebauter Dinosaurier betreibt, wird er bei der Beseitigung einer Leiche helfen.

Man erfährt in diesem Roman eine Menge über Dinosaurier, fühlt sich erst an Jurassic Park erinnert, später an eine englische schwarze Krimikomödie und zwischendrin nimmt man teil am genau beobachteten absurden Wissenschaftsbetrieb mit seinen Tagungen und Forschungs­projekten. Das ist klug und vergnüglich geschrieben (auch wenn man sich an einigen Stellen ein etwas sorgfältigeres Lektorat gewünscht hätte) – und endet nicht zuletzt im schönsten Mu­seum Wiens, im Naturhistorischen Museum nämlich, beim “riesigen Dunkleosteus, einem Meeresbewohner, der hundert Millionen Jahre älter war als die Saurier“.

Manuela Reichart
(Originalbeitrag auf rbb Kulturradio Lesestoff, adaptiert für den Blog, Abbildung aus dem Buch)

  • Erwin Uhrmann: Toko. Roman. Innsbruck: Limbus Verlag 2019. 224 Seiten, gebunden. 18 Euro

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