Arthur Machen: Die leuchtende Pyramide (Elfenbein Verlag)

In Zeiten von Fake News, Verschwörungstheorien und alten Schuldmythen empfiehlt es sich, gute fantastische Literatur zu lesen. Ein unbedingt wiederzuentdeckender Meister seines Faches ist der walisische Autor Arthur Machen (1863–1947). Geboren wurde er als Sohn eines Pfarrers. Er zog als Schauspieler mit einer Wander­bühne durch die Gegend, war Journalist, Theaterkritiker, mit Anfang dreißig wurde er bekannt als Verfasser von Schauer­geschichten und Romanen, in denen immer das Übersinnliche eine Rolle spielt. Er war ein Mystiker, einer, der an die Kraft der Natur ebenso glaubte wie an Parallelwelten.

In seinem bekanntesten (Kurz-)Roman Der Schrecken aus dem Jahr 1917 sterben während des Ersten Weltkriegs in England plötzlich überall Menschen und niemand weiß, warum. Die Leute werden nervös und ängstlich. Absurde Theorien kursieren. Am Ende wird klar, dass die Natur, dass die Tiere sich an den Raubbau treibenden Menschen rächen. Hitchcock hat seinen Film Die Vögel nach einer Geschichte von Daphne du Maurier ge­dreht. Ziemlich sicher kannte sie den Roman von Arthur Machen, als sie von den aggressiven, die Menschen plötzlich angreifenden Tieren schrieb.

Machen ist hierzulande wenig bekannt, aber er war ein stilbildender Autor der fan­tastischen Literatur des 20. Jahrhunderts und hat etwa den amerikanischen Schrift­steller H. P. Lovecraft stark geprägt.

Im Berliner Elfenbein Verlag erscheint nun eine (auf sechs Bände angelegte) Werkedition, herausgegeben und übersetzt von dem großartigen Joachim Kalka.  Der vorliegende vierte Band ist Erzählun­gen gewidmet. Stets stehen bei Machen Parallelwelten im Zentrum, die Welt der Elfen vor allem, die hier aber nicht wie bei Peter Pan nette kleine Wesen sind, sondern ganz im Gegenteil grausam und für die Menschen bedrohlich.

In der Titelgeschichte „Die leuchtende Pyramide“ geht es beispielsweise um seltsame Zeichen an einer Mauer, um den Widerstreit zwischen Vernunft und Unvorstellbarem. Zwei Freunde – der eine ist eine Sherlock-Holmes-Figur, der von dem anderen um Rat und Hilfe gebeten wird – sind auf der Suche nach Erklärungen. Ein kleines Mädchen ist verschwunden, das am Ende im Mittelpunkt eines schrecklichen Rituals stehen wird, das das kleine Volk der Elfen abhält, das unter der Erde lebt.

Im Zentrum der Geschichten steht immer ein Geheimnis. Es geht um das Unerklärliche. In Zeiten wie unseren, in denen die absurdesten Verschwörungstheorien Konjunktur haben, sollte man statt im Internet auf alle möglichen Pseudoerkenntnisse hereinzu­fallen lieber fantastische Literatur lesen. Elfen leuchten jedenfalls sehr viel mehr ein als der ganze QAnon-Quark.

Manuela Reichert (adaptiert; Originalbeitrag auf rrbKultur)

  • Arthur Machen: Die leuchtende Pyramide. Erzählungen (Band 4). Berlin: Elfenbein Verlag 2020. Aus dem Englischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Joachim Kalka. 200 Seiten. 19,60 Euro

                                                                                             

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