Anna Herzig im Gespräch mit Olivia Kuderewski

Die Berliner Schriftstellerin Olivia Kuderewski (geb. 1989) ist dermaßen sympathisch, dass es mich ab dem ersten Kontakt umwirft. Eine Liebeserklärung an ihr Romandebüt LUX, die Autorin selbst und das Gefühl, dass es völlig in Ordnung ist, nicht alles geil zu finden, was glänzt. LUX ist in diesem finsteren Februar im Verlag Voland & Quist erschienen.

Anna Herzig

Liebe Olivia, wer bist du? (In einem Satz)

Ich bin Olivia Kuderewski.

Lux, die Protagonistin deines gleichnamigen Romans, macht sich nach einer mittelgradigen, depressiven Episode allein auf, um die USA zu entdecken. Dann läuft ihr die geheimnisvolle Kat über den Weg und bringt sie Stunde um Stunde an ihre hart erkämpften Grenzen. Bedeuten die USA für dich Freiheit? Bedeuten sie überhaupt irgendetwas für dich?

Mir geistern seit der Jugend viele Projektionen von den USA im Kopf herum, die ich aber verdächtige, bloße Illusionen zu sein. Kommt wohl davon, wenn man zu viele Filme schaut! Man fühlt sich ja erst mal jahrelang wohl mit diesen Sachen, bis sie dann anfangen zu langweilen. Von daher bedeuten Bilder von den USA für mich irgendwas zwischen Wohlfühlen und öder Wiederholung. Freiheit auch, aber eher, was die Landschaft und ihre Weite angeht. Die sind aber auch real.

(…) Du hättest das lassen sollen mit dem Trinken, du weißt, dass das passiert, wenn du trinkst Lux, du weißt, dass deine Haut dann noch dünner wird, und jemand wie Kat wird sicher nicht auf dich aufpassen, wo lauft ihr überhaupt hin?

Was heißt es für dich, Frau in diesem Jahrhundert zu sein, und was möchtest du jungen Frauen sagen, die erst lernen, sich in diesem zurechtzufinden?

Bin selbst oft am Struggeln, daher bin ich eher unqualifiziert für Lebensweisheiten. Der einzige Tipp, den ich habe, ist „gut wählen“, wenn man denn überhaupt eine Wahl hat, und ich meine damit alles, Umgebung, Ziele, Essen, Job, Partner:innen, Hören, Gucken, Lesen, Machen, und sich dann möglichst nicht beirren lassen, also von nichts.

Olivia Kuderewski Foto© Lisa Marie Keck

Wer oder was hat dich zu deinem Roman LUX inspiriert und wie lange hast du daran geschrieben?

2014 ging das los, damals hieß die LibreOffice-Datei noch ganz platt „America“. Inspiriert hat mich am Anfang Jack Kerouacs On the Road, vor allem Dean Moriarty aka Neal Cassady, völlig durchgeknallter Typ. Dann kamen über ein paar Jahre Beobachtungen von eigenen Reisen dazu, habe immer gern vom Unterwegssein geschrieben. Und dann hat sich das alles in sieben Jahren (mit längeren Pausen dazwischen, so langsam bin ich nun auch wieder nicht) zusammengebraut, ich habe mich von den männlichen Beatnik-Autoren verabschiedet, hatte schlimme Frustrations-, aber auch Superflow-Phasen, Hilfe von Freund:innen, Agentin und Lektorin und tada!

Gab es während der Lektoratsphase andere Ideen zum Romantitel oder war von Anfang an klar, dass es LUX wird?

Lux war schon sehr lange der Arbeitstitel. Und weder meine Agentur noch der Verlag haben ihn je in Frage gestellt, zum Glück! Hat schon lange genug gedauert, die Namen für die Figuren zu finden. Außerdem bin ich sehr zufrieden mit dem Cover und den Riesenbuchstaben darauf, das geht ja auch nur mit diesem Titel. Und über den gelben Farbschnitt freue ich mich auch jedes Mal, wenn ich hingucke. Der beißt sich meistens mit anderen Farben im Raum.

(…) Das kleine Stocken, der Offbeat. Alle wichtigen Begegnungen beginnen so, alle Geschichten, zu Anfang ist immer ein Stocken da, ein Widerstand, es war eine ganz gewöhnliche Nacht, als.

Du bist eine durch und durch inspirierende Persönlichkeit, was hat dich und deinen bisherigen Lebensweg geformt?

Das ist ja ein krasses Kompliment! Ich bin ein Mittelschichtskind aus einer oberfränkischen, aufgeräumten Kleinstadt mit intakter Familie. Bis heute habe ich ein paar sehr gute Freund:innen gewonnen. Von üblen Schicksalsschlägen bin ich eher verschont geblieben, und ich bin immer sehr gern herumgefahren, oft war mir egal, wo, Hauptsache fahren. Mein Studium war unbeschwert und nicht zukunftsorientiert, meine Jobs manchmal bescheuert und immer befristet, aber das machte mir (bisher!) nichts aus. Was ich nächstes Jahr mache, weiß ich noch nicht. Alles normal.//

LUX ist ein kostbarer Schatz, weil der Roman nichts schönt, weil der Versuch gelingt zu zeigen, was ist, ohne zu tun, was kaputt macht. LUX ist, wie der Klappentext schon sagt und es kaum besser formuliert werden kann: ein hypnotischer Abgesang auf die Welt der schönen Bilder. Olivia Kuderewski, ein wunderschöner Wirbelwind im Literaturbetrieb. Man darf gespannt sein, worauf ihr Blick nach LUX als Nächstes fällt.

Herzlichen Dank an Olivia Kuderewski und Anna Herzig für das schöne Gespräch und alles Gute!

  • Olivia Kuderewski: LUX. Berlin: Voland & Quist 2021. 224 Seiten, gebunden, mit Farbschnitt. 22 Euro. E-Book 10,99 Euro

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